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Jahresbericht 2010

Erfolgreiche Arbeit spiegelt sich in Zahlen wider

Der Beratungsbedarf in Erziehungsfragen wächst weiter  - offenbar auch im Landkreis Bergstraße. Diesen Schluss legen die statistischen Zahlen für das vergangene Jahr nahe, die von der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Bensheim jetzt in ihrem Tätigkeitsbericht 2010 veröffentlicht wurden. Demnach ist die Zahl der angemeldeten Klienten binnen eines Jahres um  rund sieben Prozent gestiegen. Die Zahlen belegen auch, dass die Beratungsarbeit auf Grund der schwierigen Lebenslage vieler Familien immer komplexer und damit intensiver wird.

 Die Beratungsstelle im Wambolter Hof ist eine Einrichtung des Kreises Bergstraße. Sie versteht sich nicht nur als Dienstleister für die Bensheimer Bevölkerung, sondern auch für die Städte und Gemeinden im weiteren Umfeld.

An entsprechendem Zulauf herrscht in der Einrichtung kein Mangel:  In 2010  waren 581 Klienten angemeldet (2009: 541). Die Zahl der tatsächlich kontaktierten Personen war jedoch im Schnitt mehr als doppelt so groß, da in der Regel nicht nur die Klienten selbst (Kinder und Jugendliche) in die Beratungsgespräche eingebunden sind, sondern ebenso Familienmitglieder (Eltern, Geschwister, Großeltern). Darüber hinaus sind solche Fälle, die über die von der Beratungsstelle organisierten Projekte „Beratung in Schule“ (BiS) und „Beratung im Kindergarten“ (BiK) versorgt werden, in den Zahlen des Tätigkeitsberichts nicht erfasst.

 Obwohl manche Fälle, insbesondere solche mit hoch strittigen und getrennt lebenden Eltern, einen deutlich höheren Arbeitsaufwand erfordern als noch vor wenigen Jahren, sieht sich die Einrichtung weiterhin dem Konzept der Kurzzeitberatung verpflichtet. Ziel ist, möglichst effizient und lösungsorientiert zu arbeiten, damit die Beratung nicht ins Uferlose abgleitet. Der Grundsatz lautet: So viel kompetente Hilfe wie nötig, so viel Selbsthilfe wie möglich. Die Zahlen im Tätigkeitsbericht 2010 zur Beratungsdauer zeigen, dass nach zwei Monaten für 40 Prozent der Klienten die Beratung bzw. Therapie abgeschlossen war. Oft genügte schon ein einziger Termin oder ein längeres Telefongespräch, um das Anliegen zu klären, die Klienten emotional zu entlasten und erste Schritte zu einer Lösung zu erarbeiten.

 Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich bei den Schwerpunkten der Beratung wenig verändert: Der am häufigsten genannte Anlass, die Beratungsstelle aufzusuchen, ist nach wie vor „Trennung und Scheidung“. Zusammen mit  „Paar-/ Partnerproblemen der Eltern“ gaben etwa 27 Prozent der Ratsuchenden dies als Hauptgrund an. Von den Kindern und Jugendlichen, die den Weg in den Wambolter Hof fanden, lebten fast 55 Prozent bei alleinerziehenden Elternteilen oder in Zweitfamilien. Weitere häufige Nennungen bei den Beratungsanlässen waren „Emotionale Probleme des Kindes/ Jugendlichen“ sowie „Erziehungsfragen der Eltern.“  

 Die durchschnittliche Wartezeit auf ein Erstgespräch hat sich im Vergleich zum Vorjahr von 21 Tagen auf 20 Tage verringert. Zwei Drittel der Klienten hatten innerhalb eines Monats ihren ersten Termin. 

 Die regionale Verteilung ist 2010  weitgehend gleich geblieben. Die meisten Familien (76 Prozent) kamen aus Bensheim, Heppenheim, Lorsch, Einhausen und Umgebung. Hingegen war wie schon in den Vorjahren der vordere Odenwald mit 14 Prozent weniger gut vertreten. Sieben  Prozent kamen aus dem Ried – ein Zuwachs von immerhin zwei Prozent gegenüber 2009. Der geringe Anteil der Riedbewohner ist insofern nicht überraschend, weil sich Betroffene aus diesem Einzugsgebiet in der Regel an die Beratungsstelle in Lampertheim wenden.

 Die Ratsuchenden kamen aus allen sozialen Gruppen. Dies zeigt eindrucksvoll, dass Schwierigkeiten in der Erziehung in den unterschiedlichsten Bevölkerungskreisen auftreten können. Der niedrig schwellige Zugang zur Beratungsstelle ist Voraussetzung dafür, dass die Angebote auch von Menschen mit schwierigem sozialen Hintergrund gut angenommen werden können.

 Neben der direkten Arbeit mit den Klienten erfüllt die Beratungsstelle eine ganze Reihe weiterer Aufgaben. Teamberatung und Supervision gehören ebenso dazu wie Vorträge und Seminare. Gut besucht sind Gruppenangebote etwa  für Kinder aus Trennungs- und Scheidungsfamilien oder Fortbildungen für verschiedene Zielgruppen. Auch über solche Aktivitäten gibt der Tätigkeitsbericht einen Überblick. Unter der Rubrik „Streiflichter“ werden unter anderem die Projekte „Beratung in Schule“ (BiS) sowie „Beratung im Kindergarten“ (BiK) näher betrachtet. Das Besondere daran ist die praktizierte aufsuchende Hilfe, das heißt die Beratung findet – mit finanziellen Mitteln des Kreises und der Stadt Bensheim -  vor Ort an insgesamt sechs Schulen (vier davon in Bensheim) und mittlerweile sechs Kindergärten in Bensheim, Zwingenberg und im vorderen Odenwald statt.

 Ein ausführlicher Beitrag im Tätigkeitsbericht hat die Arbeit mit hoch strittigen Eltern zum Thema. Er trägt die  Überschrift „Nach der emotionalen Achterbahnfahrt sind die Kinder die Verlierer.“ Auch die Novembergespräche werden im Jahresrückblick als ein echtes „highlight“ gewürdigt. 2010  standen sie unter dem Motto: „Festhalten? Raushalten? Aushalten? Zwischen zu viel und zu wenig Erziehung.“